Radsport-News.com
       Nachrichten durchsuchen Chat Diskussions-Foren
 
Gratis-Newsletter
Radsport-Schlagzeilen täglich per E-Mail.

anmelden
abmelden Powered by Domeus

Dienste News täglich direkt auf Ihr Handy SMS-News RSS RSS-Feed
RSN Startseite
News-Übersicht
Ergebnisse
Weltrangliste Teams
Kalender
Features
Umfragen
Archiv
Downloads
 
 
 
Interaktiv Diskussionsforen Foren Chat Chat Feedback Leserbriefe
Partner Roth-Foto Radsport-Akademie Radsport-Fanshop.com










Ein ganz normaler Tag
Deutschland-Tour: Unterwegs im Begleitfahrzeug

OBERWIESENTHAL, 05.06.04 (rsn) - Bei der schweren Etappe von Kulmbach zum Fichtelberg war für Betreuer und sportliche Leiter wieder aller Hand zu tun. RADSPORT-NEWS.COM war während der Etappe, die auch einige Kilometer durch das Gebiet des neuen EU - Partners Tschechien führte, im Teamfahrzeug von Team Gerolsteiner mit dabei.


Radio Tour und Team Funk bestimmen die Geräuschkulisse im Begleitfahrzeug während der gesamten Etappe. Das Mobiltelefon wird nur zur Kommunikation zwischen den Begleitfahrzeugen genutzt, „wenn nicht jeder mithören soll", sagt Wolfgang Lötzsch, der den zweiten Gerolsteiner Materialwagen fährt. Nicht alle Teams im Tross der Deutschland Tour sind mit zwei Fahrzeugen während des Rennens dabei.

„Wenn Gruppen gehen, ist das natürlich schon ein Vorteil", sagt der Chemnitzer Lötzsch, der früher selbst viele Jahre erfolgreich Radrennen gefahren ist, aber bei den Funktionären des DDR-Radsports wegen "westlicher Haltung" in Ungnade fiel. Das zweite Auto zahlte sich auch am Samstag aus, in der Fluchtgruppe waren gleich zwei Gerolsteiner Profis vertreten.

Noch bevor das Rennen richtig losging, blieb das Funkgerät keine Sekunde still: ein Fahrer eines anderen Teams hatte bereits vor Neutralisierung des Rennens einen Platten gefahren, sodass der richtige Start verschoben werden musste. In der Fahrzeugkolonne, in der die Reihenfolge der Teamfahrzeuge sich nach der Platzierung des jeweils besten Profis der Mannschaft in der Gesamteinzelwertung richtet, herrschte reges Treiben als es nach acht Kilometern zu einem Sturz kommt, der jedoch glimpflich verläuft. Nach dem alle Fahrer wieder aufgestiegen waren, versuchten die Betreuer ihre Fahrer im Windschatten schnellst möglich wieder ins Feld zu bringen. Nachdem sich eine 12- köpfige Fluchtgruppe gebildet hatte, und deren Vorsprung knapp 35 Sekunden betrug, gab Hans Michael Holczer, Sportlicher Leiter der Gerolsteiner Mannschaft, Anweisung nach vorn zu fahren, sobald der Abstand auf über eine Minute angewachsen wäre, „Die fahren hinten nicht mit letzter Konsequenz, das kann was werden." Dafür mussten aber erst die Taschen der beiden Ausreißer der Mannschaft in das zweite Fahrzeug umgeladen werden. Hans Holczer reicht noch Aspirin und Magnesiumtabletten ins zweite Begleitfahrzeug, „ Falls sie Krämpfe kriegen."

Danach pflügen die beiden Autos wieder unter ständigem Hupen durch das Feld der vielen Autos noch vorn. Da geht es schon das ein oder andere mal ziemlich knapp zu, und man wundert sich schon ein bisschen, das da nicht häufiger was passiert. Bevor das Fahrzeug jedoch zu den Ausreißern nach vorn fahren kann, muss es sich erst die Genehmigung vom Rennleiter holen und warten bis dieser das Zeichen gibt, am Feld vorbei fahren zu dürfen. Radio Tour informiert derweilen permanent über die Abstände, die dann per Funk an die Fahrer weitergegeben werden. Das Funkgerät hält keine Minute still, „ möchte gern das Trikot wechseln", oder „Reifenpanne bei Lotto-Domo" sind bei der schlechten Empfangsqualität kaum zu unterscheiden. Während Radio Tour meistens recht deutlich zu verstehen ist, muss man bei den Funksprüchen der Fahrer manchmal schon etwas Phantasie aufbringen, um irgendwas zu verstehen. Immer wieder rufen einzelne Fahrer ihren Teamwagen zu sich, der dann auch gleich vorbeigeschossen kommt um seinem Fahrer ein Getränk, oder trockene Kleidung zu reichen.

Schmitt und Haselbacher in der Flucht am Samstag - dahinter das Begleitfahrzeug Foto: Roth
Bei Kilometer 45 will Rene Haselbacher seine Regenjacke und seine Brille loswerden. Er bekommt dann noch eine Trinkflasche gereicht, an der er sich dann gleich noch etwas abdrücken kann. Zwei verschiedene Getränke hat dar Fahrer zur Auswahl, entweder Wasser pur, oder mit Mineralstoffen versetzt. Über Radio Tour kommt die Meldung, das für den Tagessieger im Zielbereich ein beheiztes Zelt bereitsteht, bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Bei Kilometer 51 klingelt zum ersten mal das Handy. Der Sportliche Leiter Hans Holczer„ wollte nur wissen ob alles gut läuft, und das er vorkommen könnte wenn irgendwas wäre", berichtet Wolfgang Lötzsch. Zwischen den Teamfahrzeugen und Fotografen-Motorrädern drückt sich auch immer wieder das Motorrad mit der Zeitdifferenzanzeige durch, dessen Schiefertafel wirkt bei der ganzen Technik schon ein bisschen wie ein Relikt früherer Tage. Dann ist mal wieder Rätselraten angesagt, Rene Haselbacher hat seinen Zettel mit den Steigungen und Sprintwertungen verloren, und möchte gerne „ jede Welle" angesagt bekommen. Er nimmt auch diesmal wieder gern eine Trinkflasche entgegen. Über Radio Tour kommt dann neben den Defekt- Abstandsmeldungen und den Informationen darüber, welche Fahrer ihr Begleitfahrzeug rufen, die Aufforderung an der Grenze nach Tschechien doch bitte langsam zu fahren. Auch vorm „Buffet", wie die Verpflegungsstelle genannt wird, mahnt der Rennleiter zu besonderer Vorsicht, „Wir hatten heute schon einen Sturz, und das ist einer zu viel".

Dass Wolfgang Lötzsch hinter dem Steuer im Geist auf dem Rad mitfährt mit den Profis, merkt man nicht nur daran, dass er die Fahrer immer wieder zum Essen auffordert, sondern insbesondere dann, wenn er sich über irgendetwas ärgert, „Mensch muss er bei dem Regen in der Kurve auf dem Pflaster fahren", so, oder ähnlich bricht es manchmal aus ihm heraus. In Tschechien ist dann für eine Zeit der Tourfunk komplett weg, und da ist die gute alte Schiefertafel dann doch wieder ganz nützlich. Irgendwann ist Radio Tour dann auch wieder da, und die ganz normale Hektik dauert nun schon zweieinhalb Stunden. Just in dem Moment, als auch die Betreuer einer Notdurft nachgehen wollten, und am Straßenrand hielten, kommt über den Streckenfunk „Team Gerolsteiner in der Spitzengruppe verlangt", so mancher Sportliche Leiter könnte sicherlich auch eine Karriere als Rallyfahrer anstreben. Bei Kilometer 154 kommt Thorsten Schmitt noch einmal zurück zum Teamfahrzeug, und bekommt die letzten 30 Kilometer mit der Bergankunft genau beschrieben. Als die Ausreißergruppe am Berg gesprengt wird, können die beiden Gerolsteiner Fahrer die Spitze nicht mehr halten. Dem Finale näher kommend, nahm das Hauptfeld immer mehr Fahrt auf, und schloss die Lücke zu den Ausreißern, die lange Zeit knapp 5 Minuten Vorsprung hatten, noch vor der letzten Bergwertung.

Nach dem Zusammenschluss wurde unser Begleitfahrzeug vom Sportlichen Leiter hinter das „Grupetto" beordert, und es blieb nichts anderes übrig, als das Finale über Radio Tour zu verfolgen. 3 Kilometer vor dem Ziel hob Danilo Hondo noch den Arm um nach dem Fahrzeug zu rufen, und tauschte seinen Helm gegen eine trockene Rennmütze ein, während die Ersten der Etappe den Berg schon wieder herunter gefahren kamen. Sonntagmorgen geht es dann auch für die Sportlichen Leiter und Betreuer auf die letzte Etappe der diesjährigen Deutschland Tour, zum Finale nach Leipzig. Für sie war es ein ganz normaler Tag.

Bernd Landwehr

Diesen Artikel versenden





Der Radsport-Shop




Copyright © 1996-2004 by radsport-news.com
Alle Rechte vorbehalten.

cycle24 - Geschenke und Zubehör rund ums Rad /Bike
www.teltex.de