Search
      Startseite | News | Ergebnisse | Fahrer | Teams | Kalender | Features | Archiv | Downloads | LIVE-Ticker

Letzte Meldungen:    

Copyright © 1996-2005 by Radsport-News.com.
Alle Rechte vorbehalten.
Druckversion    Artikel versenden    Feedback
Der Rennfahrer des Jahres
Der Senkrechtstarter: Damiano Cunego


Foto: Roth

Fahrer-Datenbank
  • Damiano Cunegos Palmares
  • BERLIN, 28.12.04 (rsn) - Lance Armstrong gelang in der vergangenen Saison der ein Jahrhundert lang nicht für möglich gehaltene sechste Tour de France-Sieg, doch die Ehre des Rennfahrers der Jahres 2004 muss der Amerikaner trotz dieser historischen Leistung einem anderen überlassen - zumindest aber mit ihm teilen: Der Italiener Damiano Cunego stürmte mit jugendlicher Unbekümmertheit an die Weltspitze und eroberte die Herzen einer Radsport-Nation, die gerade erst den Schock des Todes von Marco Pantani zu überwinden hatte. Der 23-Jährige aus Verona ist unser Rennfahrer des Jahres.

    Als man im Februar den unter so traurigen Umständen ums Leben gekommenen Marco Pantani zu Grabe trug, da kannte praktisch niemand den Namen Damiano Cunego, Der junge Mann, Junioren-Weltmeister von 1999 und seit 2002 Profi, galt zweifellos als talentiert, ein paar Siege bei kleineren Amateurrennen und einer unbedeutenden chinesischen Rundfahrt standen bei ihm bereits zu Buche. Doch nichts deutete darauf hin, dass er im April dazu ansetzen würde, dem italenischen ciclismo wieder ein Gesicht zu geben. Innerhalb von 40 Tagen wurde aus dem Unbekannten ein Star.

    Es begann mit der Trentino-Rundfahrt, als Cunego seinem Kapitän Gilberto Simoni bei dessen Heimatrundfahrt die Show stahl und bei dem schweren und bedeutenden Giro-Vorbereitungsrennen zwei Etappenerfolge und Gesamtsieg feierte. Simoni neigt zwar chronisch dazu, sich zu überschätzen, doch als der zweifache Giro-Sieger damals gönnerhaft erklärte, sein junger Teamhelfer dürfe sich ruhig autoben, bei der Italien-Rundfahrt sei er ja wieder dran, da glaubte man ihm. Die Gazzetta dello Sport rief zwar bereits Cunego zum neuen Giro-Geheimfavoriten aus, doch die Experten glaubten ihr Getöse, das dem Giro zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen sollte, wohl selber kaum.

    Beim Giro dann überraschte sich Cunego selbst. Bei seinem zweiten Start bei einer großen Rundfahrt dominierte der Youngster. Er trug elf Tage das Rosa Trikot, das er nach der siebten Etappe ausgerechnet Simoni abnahm. Nach dem Zeitfahren in Triest fiel der Veroneser auf den sechsten Gesamtrang zurück. Doch in den Dolomiten kam Cunego überraschend zurück und holte sich bei der schwersten Kletter-Etappe die Führung zurück. In den letzten Bergetappen kontrollierte der bereits als "neuer Pantani" gefeierte Cunego das Rennen abgeklärt, obwohl ihn am Ende sein eigener Teamkollege Simoni attackierte. In 21 Tagen verdiente sich Damiano Cunego die Begeisterung der tifosi, die ihn in ihr Herz schlossen.

    Mit seinen gerade mal 23 Jahren - ein Alter, in dem die meisten erst ins Profilager wechseln - zeigt Cunego bereits viele Qualitäten, nicht nur auf dem Rennrad, auch mental. Er zeigt trotz seines Alters eine bemerkenswerte Ausgeglichenheit - und hat sich dennoch ein jugendliches Temperament bewahrt. Seine einzige Schwäche ist das Zeitfahren. Diese hätte ihn beinahe den Giro-Gesamtsieg gekostet und wegen dieses Mangels an Zeitfahr-Qualitäten kann Cunego derzeit bei der Tour de France noch nicht vom Sieg träumen. "Nach dem Giro wäre die letzte Tour wohl noch zuviel gewesen für mich. Ich glaube, ich könnte bei den Bergetappen der Tour de France an Armstrong dranbleiben. Doch bei den Zeitfahren hat Armstrong eine eindeutige Überlegenheit", sagt Cunego.

    Mehr noch als im Frühsommer beeindruckte Cunego im letzten Herbst, in dem er an die Spitze der Weltrangliste fuhr. Bei den Straßen-Weltmeisterschaften im heimischen Verona hatte Cunego große Ziele. Der neunte Platz (!) stellte ihn nicht zufrieden. Er revanchierte sich schließlich beim Monument Lombardei-Rundfahrt mit einem schön herausgefahrenen Sieg. Innerhalb eines Jahres stieg Cunego von der Nummer 227 im UCI-Ranking auf zur Nummer 1 der Welt.

    Natürlich weckt ein solcher Aufstieg im Profi-Radsport auch gleich Mißtrauen. Körperlich bringt der junge Italiener, der zugleich klettern und sprinten kann, fast perfekte Voraussetzungen mit. So hat er etwa von Natur aus einen hohen Hämatokritwert, für den andere erst in die pharmakologische Trickkiste greifen müssen. Cunego hat einen natürlichen Hämatokritwert von 52 Prozent - schon als Junior hatte er ein ärztliches Attest, das ihn von der üblichen 50-Prozent-Grenze ausnimmt. Doch das allein macht einen Fahrer natürlich auch noch nicht schnell - im Profi-Peloton haben rund 20 Fahrer ähnliche Werte. Wichtiger als die physiologischen Daten ist Cunegos Köpfchen. "Damiano kann ein Rennen lesen. Er analysiert blitzschnell die Situation und zieht die richtigen Schlüsse", sagt Cunegos Mentor Giuseppe Martinelli, der einst auch der Sportliche Leiter von Pantani war.

    Der neue Pantani

    Im nächsten Jahr will Cunego sein Debüt geben bei der Frankreich-Rundfahrt. Sein Ziel lautet in erster Linie: Lernen. Bei den Kletteretappen wird er versuchen, an den Besten dranzubleiben und beim Zeitfahren seinen Rückstand im Rahmen halten. Seine Fans in Italien träumen davon, dass Cunego irgendwann zum großen Schlag ausholen kann und - hier schließt sich der Kreis - Marco Pantani folgen kann, dem einzigen italienischen Toursieger (1998) der letzten 40 Jahre.

    Zu den unausweichlichen Vergleichen mit Pantani gibt sich Cunego zurückhaltend. "Das ist eine große Ehre. Ich kann nur hoffen, dass ich dieses Vertrauen in meine Fähigkeiten nicht enttäusche", sagt Cunego dazu. Marco Pantani lernte er im Winter 1999 kennen, er traf ihn im Training in Madonna di Campiglio. Am gleichen Ort war der "Pirat" damals wenige Monate zuvor aus dem Giro ausgeschlossen worden wegen Dopingverdachts. Von diesem Schlag erholte sich Pantani nie mehr. Cunego erinnert sich an das Treffen mit Pantani: "Das war vermutlich schon nicht mehr der Pantani der großen Zeiten. Er sagte zu mir, man dürfe nie aufgeben, gerade in schweren Zeiten müsse man durchhalten. Wenn man hart arbeite, dann kämen die Resultate früher oder später von ganz allein. Diese Worte Pantanis habe ich immer im Kopf."


    Druckversion   Artikel versenden   Feedback







    Startseite | News | Ergebnisse | Fahrer | Teams | Kalender | Features | Downloads | LIVE-Ticker

    © 1996-2005 Radsport-News.com