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Interview mit BDR-Präsidentschaftskandidat Max Benz
"Der BDR ist kein malader Patient"

BERLIN/ELZACH, 06.12.04 (rsn) - Nach dem Rücktritt von Sylvia Schenk sucht der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nach einem neuen Präsidenten. Im kommenden Frühjahr wird die Hauptversammlung des BDR eine neue Verbandsspitze wählen. Es kursieren bereits zahlreiche Namen - der prominenteste ist der von Ex-Verteidigungsminister und Magenta-Fan Rudolf Scharping. Eine offene Bewerbung hat jedoch bisher nur einer abgegeben: Max Benz (35), Direktor eines Hotels im Schwarzwald, möchte an die Spitze des deutschen Radsportverbands. Im Gespräch mit RADSPORT-NEWS.COM sprach Benz über die Motive seiner Kandidatur.

RADSPORT-NEWS.COM: Max Benz, was treibt Sie dazu, sich beim BDR um das Präsidentenamt zu bewerben?


Max Benz mit Altmeister Rudi Altig 
Foto: Roth
Benz: Ich bin dem Radsport seit 20 Jahren eng verbunden. Als Rennfahrer blieben mir zwar große Erfolge versagt, da war ich nicht gut genug. Aber auch so profitiert man sehr von diesem Sport. Es klingt abgedroschen, aber es ist so: Der Radsport ist eine Schule fürs Leben. Man lernt, sich durchzubeißen. Ich sehe jetzt eine Gelegenheit, dem Sport ein bißchen was zurückzugeben mit meinen Fähigkeiten.

RADSPORT-NEWS.COM: Was qualifiziert Sie für das Amt?

Benz: Zum einen: Ich habe seit jeher einen sehr guten Draht zu den Aktiven. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis etwa zum Wiesenhof-Team. In unser Hotel in Elzach kommen viele Profis, um im Schwarzwald zu trainieren. Von daher bin ich schon nah dran. Zum Zweiten bin ich seit fast zehn Jahren in der Hotellerie als Personalverantwortlicher tätig. Ich weiß, wie man ein Team führt. Das wäre mir im übrigen auch als Präsident ein wichtiges Anliegen: Die Führung darf nicht diktatorische Züge haben, ein Präsident sollte meiner Meinung nach ein Primus inter pares sein. Es gibt so viele gute Leute, in den Landesverbänden etwa, in den Gremien. Deren Erfahrung muss man unbedingt einbinden. Ein Präsident muss auch Verantwortung abgeben können  und die Gremien einbinden. Ich habe das Gefühl, dass dies in der Vergangenheit manchmal zu Kurz kam und der Präsident zuviel an sich gerissen hat.

RADSPORT-NEWS.COM: Werden Sie sowas wie einen Wahlkampf betreiben?

Benz: Was ich tun werde ist, mich bei den Landesverbänden vorzustellen. Die wählen mit ihren Delegierten den Präsidenten und haben einfach ein Recht darauf, informiert zu werden.

RADSPORT-NEWS.COM: Es gibt einige prominente Namen, die als mögliche Präsidenten gehandelt werden. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen?

Benz: Ich wünsche mir, dass jemand Präsident wird, der nahe dran ist an den Sportlern. Einer, der nicht aus Karrieregründen oder politischen Gründen das Amt anstrebt. Ja, da sind Namen im Spiel, einige tauchen neu auf, andere verschwinden wieder. Ich werde deshalb auch keine Namen in den Mund nehmen. Ich bin soweit ich weiß derzeit der einzige, der offen seine Bewerbung abgegeben hat. Ich sage klar: Ich werde definitiv im März kandidieren. Dann wird man sehen, was bei der Wahl passiert. An Spekulationen über Siegchancen beteilige ich mich nicht.

RADSPORT-NEWS.COM: Was sehen Sie als wichtigste Aufgabe für den neuen BDR-Präsidenten?

Benz: Es gibt viele wichtige Themen. In Abstimmung mit den Bundestrainern und den zuständigen Kommissionen müssen die Weichen gestellt werden für Peking 2008. Das ist sehr wichtig. In der Vergangenheit hat das Thema Nominierungskriterien für soviel Unruhe gesorgt im Verband und dafür, dass der BDR in der Öffentlichkeit nicht so toll dasteht. In Zukunft muss man dafür sorgen, dass Mißverständnisse vermieden werden. Aber man muss auch nicht das Rad neu erfinden. Nominierungskriterien gab es ja, die müssen nur klarer sein, weniger Interpretationsmöglichkeiten zulassen. Auf der Bahn sind diese Kriterien sicher leichter zu formulieren, als auf der Straße, wo es komplexer ist mit Fragen des Geländes oder der Taktik.

RADSPORT-NEWS.COM: Die Probleme beim BDR drehten sich aber doch gerade um die Nominierungen im Bahn-Bereich. Was waren die Fehler aus Ihrer Sicht?

Benz: Ich denke, das Hauptproblem war eine unglückliche Kommunikation zwischen den Beteiligten. Der Verband muss mit solchen Konflikten offener umgehen. Aber wir sollten nicht zuviel zurückschauen. Entscheidend ist doch die Zukunft. Wir müssen verhindern, dass sich solche Dinge wiederholen.

RADSPORT-NEWS.COM: Welche Visionen haben Sie vom Radsport der Zukunft?

Benz: Wichtig ist, dass wir dafür sorgen, dass die Dynamik der letzten Jahre erhalten bleibt. Trotz all der großen Skandale und Negativschlagzeilen der Vergangenheit steht der deutsche Profiradsport besser da als je zuvor. Wir haben mehr und erfolgreichere Straßenprofis als jemals zuvor. Der Verband muss nun die Weichen stellen, dass diese Richtung in Zukunft bleibt. Neben dem Profibereich müssen wir uns im Breitensport verbessern. Da kann der Verband noch mehr machen. Bei manchen Veranstaltungen wie beim Supercup bekommen die Teilnehmer nachher im Schulkeller irgendwo ihre Wertungskarte gestempelt. Da müsste man mehr ein Erlebnis drausmachen, eines das die Menschen begeistert. Da kann der BDR mehr Impulse geben. Die Zentrale in Frankfurt müsste da als Dienstleistungszentrale fungieren, die bei der Veranstaltungsorganisation mithilft. Ein weiteres Thema mit großem Potenzial ist für mich der Querfeldein-Sport, der in Deutschland so große Tradition hat. Da hat der Radsport die Chance, das ganze Jahr, auch im Winter, in den Medien präsent zu sein. Wir brauchen unbedingt mehr Rennen, nur dann entwickeln sich auch mehr gute Fahrer, die international bestehen können. Wie wäre es, wenn jeder größere deutsche Weihnachtsmarkt auch ein Cross-Rennen hätte? Da müsste man eine Entwicklung anstoßen. Cross hat großes Potenzial.

RADSPORT-NEWS.COM: Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der ProTour im Straßenbereich?

Benz: Ich sehe die ProTour gar nicht so negativ. Wir müssen schauen, dass die kleineren deutschen Rennen bestehen können, dass sie auch in der neuen Struktur ihren Platz finden und ein gutes Starterfeld bekommen. Das wird nicht leichter durch die ProTour. Aber manche Befürchtungen haben sich auch nicht bestätigt. GS-II-Teams hatten große Sorgen. Nun hat ein Rennnstall wie Wiesenhof (künftig Professional Continental Team, die Red) aber sogar die Chance auf ein besseres Programm, die sind ganz begeistert. Insgesamt wird man erst einmal abwarten müssen, wie sich das alles entwickelt in der Praxis. Nichts ist beständiger als die Veränderung.

RADSPORT-NEWS.COM: Der Profi-Radsport liegt Ihnen sehr am Herzen?

Benz: Der Profi-Bereich ist das Zugpferd des Radsports. Die große Popularität muss man nutzen. Der BDR steht diesbezüglich international gut da und ist einer der weltweit führenden Verbände. Da wurde in der Vergangenheit an der Verbandsspitze gute Arbeit geleistet. Der BDR ist kein malader Patient!

RADSPORT-NEWS.COM: Herr Benz, vielen Dank für das Gespräch.

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