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"Keine Motivation mehr"
Bartoli beendet seine Karriere


Bartoli am Mittwoch in Mailand Foto: Roth
MAILAND, 24.11.04 (rsn) - Der Italiener Michele Bartoli (CSC) hat am Mittwoch seinen Rücktritt als Rennfahrer bekanntgegeben. "Entscheidend für meinen Schritt ist mein Mangel an Motivation in Anbetracht meiner jüngsten physischen Probleme", sagte Bartoli bei einer Pressekonferenz in Mailand, bei der ihn sein Sportlicher Leiter Bjarne Riis begleitete. Bei CSC hatte der 34 Jahre alte Bartoli noch Vertrag bis Ende 2005, doch nach einer erneut von zahlreichen gesundheitlichen Problemen durchzogenen letzten Saison sah er die Zeit gekommen, aufzuhören.

Der Abschied nach 14-jähriger Profikarriere, in der er fast alle großen Klassiker und zwei Mal den Weltcup gewann, war am Ende keine Überraschung. Der 34 Jahre alte Bartoli, dessen gesamte Karriere von Verletzungen mitgeprägt war, hat eine schwarze Saison hinter sich. Aufgrund von Verletzungen - insbesondere an der Schulter und am Rücken - konnte der toskanische Routinier seit längerem nicht mehr an seine ganz großen Erfolge anknüpfen, wenngleich er immer noch gut genug war für einen 25. Gesamtrang im letzten Weltcup. Als besonders bitter empfand Bartoli, dass er nicht mehr für die squadra azurra bei den Olympischen Spielen und der Straßen-WM Berücksichtigung fand.


Michele Bartoli  Foto: Roth
Geb. 27.Mai 1970 in Pisa (Toskana/Italien); 1,80m/70kg

Profi 1992-2004
Teams: Mercatone Uno (1992-1995), MG (1996-1997), Asics (1998), Mapei (1999-2001), Fassa Bortolo (2002-2003), CSC (2004)

Palmares: Weltcup 1997 und 1998, Straßen-WM: Dritter 1996 und 1998, 2 Etappensiege Giro d'Italia (1994, 1998), Italienischer Meister 2000, Lombardei-Rundfahrt (2002, 2003), Amstel Gold Race (2002), Meisterschaft von Zürich (1998), Lüttich-Bastogne-Lüttich (1997, 1998), Flandern-Rundfahrt (1996), Latien-Rundfahrt (2003), Mailand-Turin (2002), Mitelmeer-Rundfahrt (2002), Emilien-Rundfahrt (1996, 2002), Het Volk (2001), GP Camaiore (2001), GP de Plouay (2000), Tirreno-Adriatico (1999), Wallonischer Pfeil (1999), Pfeil von Brabant (1994, 1999), Romagna-Rundfahrt (1998), GP Argau (1998), Drei Tage von De Panne (1995, 1998), Giro Reggio de Calabria (1998), Henninger Turm (1997), Trofeo Melinda (1997), Trofeo Laigueglia (1997), Venetien-Rundfahrt (1996), GP de Fourmies (1996), GP de Larciano (1996), GP Pino Cerami (1994), Semana internationale (1993)
"Ich weiß auch nicht, was die Ursache für all meine gesundheitlichen Probleme ist. Vielleicht ist es auch die Spätfolge all der Probleme, die ich während meiner ganzen Karriere hatte", so Bartoli. In letzter Zeit hatte der Italiener immer öfter mit Rücktritt geliebäugelt. Der Toskaner hatte noch Vertrag bei CSC für ein Jahr, doch er warf nun das Handtuch. Es ist schwer, sich zu motivieren, wenn man bereits fast alles gewonnen hat, was man gewinnen kann und weiß, dass es nur noch bergab gehen kann.

Michele Bartoli hatte seine Profikarriere 1992 begonnen und er war einer der besten Klassikerspezialisten seiner Generation. Er feierte 55 Profisiege, darunter Flandern-Rundfahrt (1996), Lüttich-Bastogne-Lüttich (1997, 1998), Wallonischer Pfeil (1999), Amstel Gold Race (2002) und Lombardei-Rundfahrt (2002, 2003). Bartoli, der wegen seiner Defizite in den Bergen kein Mann für große Rundfahrten war, nahm fünf Mal an der Tour de France teil und gewann zwei Etappen des Giro. Er war italienischer Meister 2000, gewann zwei Mal den Gesamt-Weltcup.

Sein größtes Ziel konnte Bartoli derweil nicht erreichen. Er träumte davon, einmal Weltmeister zu werden und oft scheiterte er als Favorit knapp. 1996 und 1998 stand er als WM-Dritter auf dem Podium. Auch in seiner letzten Saison stand das Regenbogenrennen im Mittelpunkt für Bartoli, wenngleich anders als erhofft. Seine Nichtberücksichtigung für die Nationalmannschaft nahm Bartoli Nationalcoach Franco Ballerini übel. "Ich habe Ballerini gesagt, ich käme in großer Form nach Verona. Leider hat er mir nicht vertraut", sagte Bartoli nach seiner Nichtberücksichtigung. So endet die Karriere eines großen Rennfahrers mit einem etwas bitteren Beigeschmack.

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22.09.04 Bartoli macht trotz WM-Enttäuschung weiter




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