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Tour de France oder nicht?
Armstrong macht's spannend


Foto: Roth
BERLIN, 21.12.04 (rsn) - Lance Armstrong sorgt dieses Jahr bereits im Winter für Spannung rund um die Tour de France. Während es in den letzten sechs Jahren selbstverständlich war, dass der Amerikaner seine Saison ganz auf die "Große Schleife" ausrichtet, so lässt er es nach seinem Rekordsieg ausdrücklich offen, ob er 2005 überhaupt die Frankreich-Rundfahrt bestreitet. Sucht Armstrong nach seinem eindrucksvoll herausgefahrenen historischen sechsten Gesamtsieg eine neue Herausforderung - oder ist das alles nur ein Bluff?

Was Lance Armstrong in kommenden Juli machen wird, ist derzeit offen. Manches spricht dafür, dass er wie immer am Start der Tour de France steht, einiges nicht. Sicher ist, dass der 33-Jährige noch nicht ans Aufhören denkt. Er wolle weiter seinen Beruf ausüben und große Rennen fahren, sagt er. Ob dazu im nächsten Jahr die Tour de France zählt, läßt das Armstrong-Lager ausdrücklich offen. Johan Bruyneel, der Belgier, der seit dessen Comeback 1999 nach überstandener Krebserkrankung Armstrongs Sportlicher Leiter ist, spricht davon, dass man neue Herausforderungen suchen müsse, neue Motivation finden, nachdem dem Amerikaner bei der Tour de France das bisher als unmöglich geltende gelang. Erst im kommenden Mai wolle sich Armstrong entscheiden, ob er wieder die Tour fährt, lauten die jüngsten Erklärungen nach dem ersten Treffen von Armstrongs neuem Team.

Anders als in den letzten Jahren ist Armstrongs Winterprogramm. Sein Training entspricht dieser Tage dem Vernehmen nach eher dem Fitnessprogramm eines Multimillionärs in mittleren Jahren als dem eines hungrigen Rennfahrers. Hatte aber nicht gerade Armstrong in den letzten Jahren immer wieder betont, wie wichtig es ist, sich akribisch vorzubereiten - gerade im Winter? Will es sich der sechsfache Toursieger nach den Triumphen der letzten Jahre ein bißchen bequemer machen und bei Klassikern wie Lüttich-Bastogne (Armstrong gewann bereits 1995 den Wallonischen Pfeil!) Siege feiern, für die er sich nicht ganz so schinden muss wie für einen Toursieg?

Armstrongs neues Team, das mit der US-amerikanischen Kabelsenderkette Discovery Channel auch einen neuen Sponsor hat, könnte seinen Kapitän sicher auf jedem Terrain unterstützen. Bei den Klassikern stehen mit Hincapie und Ekimov zwei hochklassige Helfer bereit und für die großen Rundfahrten ist die Truppe bestens gerüstet. Armstrong-Leutnant Floyd Landis wechselte zwar zu Phonak, aber die bewährten Azevedo und Rubiera sind noch da. Zudem hat die ProTour-Mannschaft mit dem Italiener Paolo Savoldelli und dem Ukrainer Yaroslav Popovych zwei neue Männer, die bei großen Rundfahrten ganz vorne landen können. Popovych, beim Giro 2003 auf dem Podium und letzte Saison dort Fünfter, wird nächstes Jahr nicht die Italien-Rundfahrt fahren, sondern die Tour. Daraus kann man aber auch nichts ableiten: Es könnte einerseits ja bedeuten, dass Armstrong einen weiteren starken Helfer hat - oder dass der junge Ukrainer selbst als Leader fährt, weil Armstrong diesmal in Frankreich fehlt.

Armstrong lässt die Radsport-Welt rätseln und die Frage betrifft ja durchaus nicht nur ihn selbst. Man stelle sich vor: Jan Ullrich gewänne die Tour, wenn sein ewiger Rivale fehlt. Der Triumph hätte einen Schatten. Ja, wenn Armstrong da gewesen wäre, hieße es gewiss. Andererseits würde man wohl ganz selbstverständlich von einem Generationswechsel sprechen, wenn ein Junger - der 23-jährige Giro-Sieger Cunego etwa - gewinnt.

Viele können sich nicht vorstellen, dass Armstrong tatsächlich seine Saison ohne Tour de France plant. Wenn er keine Lust mehr hätte oder Angst davor, seine makellose Tourbilanz würde beschädigt, hätte er aufhören, sein schönes Leben genießen und sich als größter Tour-Fahrer aller Zeiten feiern lassen können. Aber weitermachen und nur bei kleineren Rennen fahren, das klingt nicht nach Armstrong. Vor der letzten Saison, im Winter 2003/2004, sagte Armstrong: "Ich kann mir eine Saison ohne Tour de France nicht vorstellen. Es ist das größte Rennen der Welt und mein Leben als Sportler." Und er fügte an: "Einen Sponsor interessiert die Tour, sonst nichts." Nun mag ja vielleicht ein belgisches Unternehmen zu begeistern sein, wenn sein millionenschwerer Star nur Klassiker fährt. Aber ein amerikanischer TV-Sender...?

So könnte das Zögern Armstrongs letzten Endes dann doch nur ein Bluff sein. Im letzten Frühjahr ließ sich Armstrong nach eigenem Bekunden hinreißen, "die dummen Dinge zu glauben", die man über ihn schrieb, die Spekulationen nach jedem Resultat bei Vorbereitungsrennen, ob es dennn reichen wird für den sechsten Toursieg. Will Armstrong am Ende dies jetzt nur umgehen, indem er erst im Mai erklärt, dass er die Tour fährt? Fortsetzung folgt...

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17.12.04 Team Discovery Channel: Armstrongs neues Trikot
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